Vor uns die Herausforderungen: Sprache (#1)

Ein Blog basierend auf dem Buch “Das Mosaik.”

Viele Herausforderungen liegen vor uns als Menschheit, das steht außerfrage. Wir wissen es. Wir gelangen nur nicht zu einer kollektiven Erkenntnis, in welcher Reihenfolge wir welche Herausforderungen angehen sollten. Dieses Was-Wann ist allerdings die wichtigste Angelegenheit von allen. Wir müssen erst die Tür aufmachen, um dann hindurchgehen.

(#1) Sprache

Unsere erste Herausforderung als Menschheit ist es, zu verstehen, dass Sprache ein unpräzises Hilfsmittel ist. Der Kontext (also die gesamte Wahrheit über eine Situation) ist VIEL GRÖSSER als Sprache es jemals beschreiben könnte. Und das Ziel (also die gewünschte Veränderung, die wir von Herzen in die Welt bringen wollen) ist ebenfalls VIEL GRÖSSER als Sprache es jemals vermitteln könnte. Wir brauchen also “mehr” als Sprache – und solange uns dieses MEHR fehlt, können wir als Menschheit andere und deutlich anspruchsvollere Herausforderungen nicht meistern.

Unser heutiger Fokus auf einen gesprochenen oder geschriebenen Satz führt dazu, dass wir sowohl dessen Kontext als auch dessen Ziel aus den Augen verlieren. Dieser Verständnisverlust macht uns blind, vorurteilsvoll und oftmals auch unglücklich einer Situation gegenüber, weil unser Verstand einfach seine eigene Geschichte weitererzählt. Wir hören gar nicht mehr hin. Sollte ich beispielsweise behaupten, stets zu versuchen, “das Rechte zu tun”, dann werden manche Menschen denken: “Ist doch klar. Ich versuche auch, stets das Richtige zu tun.” Und es andere Menschen werden empört aufschreien: “Das Rechte soll das Richtige sein? Was für ein Rechtsradikaler!”

Unsere Sprache, ein Satz, und schon ein einziges Wort trägt vielfache Bedeutungen in sich, die sich mit einem Blick auf die Buchstaben nicht unterscheiden lassen. Wir hören, was jemand sagt, können aber nicht vollständig nachvollziehen, was der andere damit meint. Und was wir auf keinen Fall machen dürfen ist, für uns selbst zu entscheiden, was der andere nun gemeint hat. Sollten wir eine unbekannte Person nach dem Weg zum Bahnhof fragen, und diese Person antwortet mit “Das ist ganz einfach, Sie müssen sich einfach immer links halten”, dann dürfen wir diese Person nicht als Linksextremisten abstempeln und aus Protest an den nächsten Kreuzungen absichtlich nicht links gehen, denn wir das tun, dann kommen wir nie am Bahnhof an. Dann können wir die Herausforderungen, vor denen wir als Menschheit stehen, nicht meistern.

Unser Umgang mit Sprache erschafft Probleme, die in der Wirklichkeit nicht existieren. Aus diesem Grund lösen wir nicht die Probleme, die tatsächlich existieren. Jetzt muss erstmal geklärt werden, ob “das Rechte zu tun” etwas Gutes oder Schlechtes ist, wobei es keine Lösung geben wird, weil unsere Sprache beide Interpretationen zulässt. Solche Diskussionen sind sterbenslangweilig – manchmal so lang bis jemand stirbt – während viel weniger Gutes getan wird als unser eigentlichtes Ziel im Sinne hatte.

Insofern muss sich unser Umgang mit Sprache ändern. Auf Sender-Ebene erfordert Sprache eine gewisse Präzision. Ich sollte authentisch sein, mir selbst treu bleiben und altmodische Wörter wie “das Rechte zu tun” nicht mehr verwenden. Und auf Empfänger-Ebene erfordert Sprache eine gewisse Offenheit. Du solltest tatsächlich Zuhören, gute Fragen stellen und deine negativen Gefühle nicht zu meinen machen wollen,

… auf dass wir unsere Egos nicht profilieren, sondern professionalisieren,

… auf dass wir Willkür nicht für Freiheit halten,

… auf dass wir Gewohnheit nicht mit Gerechtigkeit verwechseln,

und derart MEHR gerüstet die nächsten Herausforderung angehen.

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